Kleingebietsschätzung (Gemeinden) der Erwerbsbeteiligung in der Strukturerhebung

1. Ausgangslage

Die Strukturerhebung liefert wichtige Informationen zur Bevölkerung und insbesondere zur Arbeitssituation. Dank einer jährlichen Stichprobenerhebung bei mindestens 200 000 Personen in der Schweiz lässt sich die Erwerbsbeteiligung für Gruppen von 15 000 Einwohnerinnen und Einwohner zuverlässig schätzen.

Durch die Kombination der Erhebungen mehrerer Jahre (Pooling der Daten von drei bzw. fünf Jahren) ist mit den Standardmethoden auch eine Schätzung für Gruppen von 5000 bzw. 3000 Personen möglich.

Die Schweiz zählte 2014 nahezu 2300 Gemeinden. Davon hatten 80% weniger als 5000 und 70% weniger als 3000 Einwohnerinnen und Einwohner.

Dabei stellt sich die Frage, ob verlässliche Schätzungen auf einer noch tieferen Ebene möglich wären, indem statistische Modelle und für die Gesamtbevölkerung verfügbare Daten verwendet werden.

2. Ziele

Mit Kleingebietsschätzungen (Small Area Estimation, SAE) sollen die Grenzen der Standardmethoden anhand verschiedener Techniken, die auf der Modellierung und der Verwendung von zusätzlichen Informationen zur Bevölkerung basieren, ausgeweitet werden.

Das BFS hat die auf dem Gebiet dieser Methoden international anerkannte Forscherin Prof. Isabel Molina der Universität Carlos III in Madrid beauftragt zu analysieren, ob es möglich ist, die Erwerbsbeteiligung auf Ebene der Gemeinden zuverlässig zu schätzen. Ihre auf der Strukturerhebung von 2012 und den AHV-Daten von 2011 basierenden Arbeiten haben gezeigt, dass sich die jährliche Erwerbsbeteiligung und ihre Genauigkeit (design-MSE) für Gemeinden mit Stichproben von mindestens 100 Personen zuverlässig schätzen lassen. Damit ist die Mindestgrösse für die Stichproben deutlich kleiner als bei den Standardmethoden.

3. Vorgehen

Angesichts der vielversprechenden Ergebnisse, die auf Basis der Strukturerhebung 2012 sowie der AHV-Daten von 2011 mit den SAE-Methoden erzielt werden konnten, untersucht das BFS in einem weiteren Schritt die Möglichkeiten, diese Resultate mit einem Pooling der Daten von mehreren Jahren zu kombinieren. Die Schätzungen beziehen sich auf die durchschnittliche Zielpopulation der Strukturerhebung, hier der drei Jahre von 2012 bis 2014. Es geht hauptsächlich darum, für eine grössere Anzahl Gemeinden zuverlässige Schätzungen zu erstellen als es mit jährlichen Auswertungen möglich ist. Die minimale Stichprobengrösse von 100 Personen gilt beim Pooling grundsätzlich ebenfalls.

4. Ergebnisse

Den Erkenntnissen von Prof. Molina folgend hat das BFS entschieden, für die Strukturerhebung lediglich Schätzungen für Gemeinden mit einer Stichprobe von mindestens 100 Personen zu veröffentlichen. Die Resultate basieren auf einem Pooling der Strukturerhebungsdaten der drei Jahre von 2012 bis 2014, sodass die Stichproben vergrössert und somit Ergebnisse für möglichst viele Gemeinden publiziert werden können. Während mit den Standardmethoden lediglich 20% der Gemeinden abgebildet werden können, verdreifacht sich diese Zahl mit den neuen Methoden, d.h. es liegen Ergebnisse von bis zu 60% der Gemeinden vor. Ende 2014 entsprach dies 80% der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz ab 15 Jahren.


Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Tabelle zu finden:

Die Ergebnisse der Kleingebietsschätzungen können darüber hinaus auf der folgenden interaktiven Karte abgerufen werden:

5. Einschränkungen

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist grundsätzlich Vorsicht geboten, da es sich um Schätzungen für die durchschnittliche Population der Strukturerhebungen von 2012, 2013 und 2014 handelt.

6. Methodische Herausforderungen

Einige offene Punkte auf methodischer Ebene müssen noch geklärt werden.

  • Hat das Modell noch Optimierungspotenzial?
  • Wie viele Jahre sind für ein Pooling ideal?
  • Wie wirkt sich das Pooling auf die Genauigkeitsschätzung (design-MSE) aus?
  • Welche AHV-Daten eignen sich am besten?

7. Ausblick

Mit Blick auf die Zukunft gilt es einerseits die erwähnten methodischen Herausforderungen zu meistern und andererseits die Verwendung von Kleingebietsschätzungen für andere BFS-Erhebungen zu prüfen. Dabei soll geklärt werden, inwiefern diese Methoden im Rahmen von Erhebungen bei Unternehmen sinnvoll eingesetzt werden können. In diesem Bereich sind die kleinen Gebiete nicht geografisch, sondern nach anderen Aspekten gegliedert (z.B. detaillierte Wirtschaftszweige).

8. Dokumentation

9. Auskunft

Kontakt: info.pop@bfs.admin.ch
Telefon: +41 58 467 25 25