Einfluss der Pandemie auf das Haushaltsbudget

| Letzte Aktualisierung: 16.08.2021

Bild – experimental statistics

Ausgangslage

Die laufende Covid-19-Pandemie hat durch die vorgegebenen Einschränkungen des täglichen Lebens und der Wirtschaft deutliche Spuren im Haushaltsbudget hinterlassen. Im Hinblick darauf ist es wichtig, alle verfügbaren Quellen zu verwenden, um die Effekte auf den Konsum im Speziellen aber auch allgemein auf das Haushaltsbudget einzuschätzen.

Die Haushaltsbudgeterhebung (HABE) ist für solch detaillierte und zeitlich aufgelöste Analysen sehr gut geeignet, da sie kontinuierlich durchgeführt wird und jeden Tag im Jahr abdeckt. So wurden ihre aktuellsten Daten speziell während der Krise fortlaufend analysiert und verwendet.

Ziele

Da die aktuellsten Resultate auch für das Publikum von offensichtlichem Interesse sind, werden sie hiermit zugänglich gemacht. Zudem werden sie zum ersten Mal zusätzlich mit einer unterjährlichen Zeitauflösung publiziert. Die Zahlen werden quartalsweise ausgewertet, was einerseits die Darstellung der zeitlichen Entwicklung des Konsums und der anderen Bestandteile des Haushaltsbudgets während der Pandemie und andererseits auch eine genügend grosse Anzahl Beobachtungen ermöglicht. Als Referenzzahlen werden die über die Jahre 2015 bis 2017 gemittelten Quartalswerte beigezogen.

Da es sich dabei um Schätzwerte des Haushaltsbudgets sämtlicher Haushalte in der Schweiz handelt, die auf einer relativ beschränkten Stichprobe (900 Haushalte pro Quartal) beruhen, ist es speziell notwendig, die Schätzunsicherheit bei der Beurteilung einzubeziehen. Als Mass für diese Unsicherheit werden die Vertrauensintervalle den Resultaten beigelegt, um deren Qualität besser einschätzen zu können. Damit ist es möglich, die Differenz zu den Vergleichswerten der Vorjahre auf ihre Signifikanz zu testen.

Die Resultate werden in Form von umfangreichen EXCEL-Tabellen dem Leser präsentiert. Zusätzlich stehen die gleichen Zahlen auch als CSV-Files zwecks allfälliger automatisierten Analysen zur Verfügung.

Ergebnisse

In den Tabellen mit den Resultaten (siehe Links weiter unten) finden sich alle Detailposten des Haushaltsbudgets, die je nachdem sehr unterschiedlich durch die Krise beeinflusst wurden. Zur Illustration werden zwei dieser Posten als Beispiele graphisch dargestellt (siehe dazu auch das Lesebeispiel für Vertrauensintervalle weiter unten):

Die Ausgaben für kulturelle Dienstleistungen haben durch die über eine längere Zeit vorgegebenen Schliessungen einen dramatischen Einbruch erlebt. Man sieht dies hier am Bespiel der Ausgaben für Kinobesuche.

In anderen Bereichen haben sich die Schliessungen und Einschränkungen weniger stark auf den Konsum ausgewirkt; dennoch sind indirekte Effekte sichtbar, wie man beispielsweise bei den Ausgaben für Treibstoffe sehen kann.


Lesebeispiel für eine Graphik mit Vertrauensintervallen

In diesen Graphiken entsprechen die Vertrauensintervalle zu 95% dem Zahlenbereich, der den wahren mittleren Wert über die gesamte Bevölkerung mit 95% Wahrscheinlichkeit enthält. Die Breite des Vertrauensintervalls hängt von der Anzahl Beobachtungen aber auch von der Verteilung der erhobenen Werte ab. Je grösser eine Stichprobe und je schmaler die Verteilung der erhobenen Werte sind, desto schmaler ist das Vertrauensintervall.

Wozu dient ein Vertrauensintervall?

  • zur Messung der Präzision eines Schätzwert bzw. seiner Qualität
  • zur Bestimmung, ob zwei Schätzwerte signifikant unterschiedlich sind oder nicht (siehe weiter unten)
     

Lesebeispiel für eine Graphik mit Vertrauensintervallen


Im Mittel des zweiten Quartals der Vergleichsjahre bzw. der Referenz werden die Ausgaben für Mahlzeiten in Restaurants, Cafés und Bars im Mittel auf 191 Franken pro Monat pro Haushalt geschätzt mit einem Vertrauensintervall zu 95% von ± 12 Franken. Dies bedeutet, dass sich der wahre mittlere Durchschnittswert pro Haushalt mit einer Wahrscheinlichkeit zu 95% zwischen 179 und 203 Franken befindet. Im zweiten Quartal 2020 beläuft sich dieser Schätzwert auf 69 Franken und mit einer 95%-Wahrscheinlichkeit befindet sich der wahre Wert zwischen 58 und 80 Franken basierend auf dem Vertrauensintervall von ± 11 Franken. Da die beiden Vertrauensintervalle derart weit auseinanderliegen (mehr als sechsmal deren Breite), kann daraus geschlossen werden, dass sich der im Mittel ausgegebene Betrag im zweiten Quartal 2020 signifikant vom ausgegebenen Betrag desselben Quartals der Vergleichsjahre unterscheidet.


Wo findet man diese Informationen in den EXCEL-Tabellen?

  Jahr 2020
2. Quartal 3. Quartal
  B Q VI95 P B Q VI95 P
5311.01: Mahlzeiten in Restaurants, Cafés und Bars  69 d ± 11 0.7% 167 d ± 21 1.7%
B: Beträge in Franken pro Monat pro Haushalt (Mittelwert)
Q: Qualität des Schätzwert
VI95: Vertrauensintervall zu 95%
P: Prozentverteilung (100%: Bruttoeinkommen)


Beispiel für die Werte des 2. Quartals 2020:

  • Mittlerer Betrag pro Monat pro Haushalt (69 Franken): Kolonne B
  • Vertrauensintervall zu 95% (±11 Franken): Kolonne VI95
  • Oberer Grenzwert des Vertrauensintervalls zu 95% (80 Franken): Kolonne B + Kolonne VI95
  • Unterer Grenzwert des Vertrauensintervalls zu 95% (58 Franken): Kolonne B − Kolonne VI95

Tabellen


Methodik

Stichprobenplan

Die Referenzbevölkerung der Haushaltsbudgeterhebung (HABE) umfasst alle Personen, die zur ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz gehören und in einem privaten Haushalt leben. Die Erhebung wird auf der Grundlage von monatlichen, nach den sieben Grossregionen der Schweiz geschichteten Zufallsstichproben durchgeführt. Damit in allen Regionen genügend Haushalte berücksichtigt werden, wird eine disproportionale Stichprobe mit einer Überrepräsentation des Tessins gezogen. Im 2020 und 2021 haben rund 3600 Haushalte pro Jahr (bzw. 900 pro Quartal) teilgenommen oder sind daran, teilzunehmen.

Datenerhebung

Die HABE wird mittels detaillierter Papierfragebogen mit telefonischer Unterstützung und ergänzender Telefoninterviews durchgeführt. Während des Erhebungsmonats füllen die Haushalte ihre Tagebücher täglich aus. Während der Erhebungszeit werden sie telefonisch durch einen persönlichen Betreuer oder eine persönliche Betreuerin fortlaufend unterstützt. Am Schluss des Monats, werden zwei weitere Fragebogenhefte ausgefüllt (eines für regelmässige Ausgaben und für wichtige Ausgaben während der Monate vor dem Erhebungsmonat und eines für die Einkommen). Danach werden alle ausgefüllten Hefte vom Haushalt ans Institut zurückgeschickt, wo sie vor der Erfassung einer ersten gründlichen Plausibilisierung unterzogen werden. Alle unklaren oder unleserlichen Angaben und offenen Fragen werden mit dem Haushalt telefonisch abgeklärt. Die erfassten Daten werden täglich ans BFS weitergeleitet, wo sie einer vertieften Überprüfung und Plausibilisierung unterworfen werden. Daraus resultierende Fragen werden – wenn nötig – wiederum mit dem Haushalt telefonisch abgeklärt.

Stabilität der Resultate

Die Verfügbarkeit der Daten fast in Echtzeit erlaubt dem BFS, die Daten eines Haushalts für Analysen und Auswertungen zu integrieren, sobald sie vollständig erfasst und plausibilisiert sind. Das ermöglicht die Produktion von ersten Resultaten schon zwei oder drei Wochen nach dem Erhebungsmonat. Natürlich basieren solch schnell verfügbaren Resultate zuerst noch auf einer kleinen Anzahl Beobachtungen, aber sie werden mit dem Fortschritt der Erfassungs- und Plausibilisierungsarbeiten fortlaufend mit weiteren Beobachtungen komplettiert und damit stabilisiert. Rund drei Monate nach dem Erhebungsmonat erfahren die Resultate fast keine Änderungen mehr.

Diesbezüglich muss aber auf die Ausnahme der «wichtigen» Ausgaben der vergangenen Monate hingewiesen werden. Diese betreffen verschiedene Themenbereiche, insbesondere werden die Käufe von Fahrzeugen und Fahrrädern ganze zwölf Monate rückblickend erfasst. Bei anderen Ausgabenbereichen, wie zum Beispiel beim Kauf von Flugtickets oder von Möbeln, werden alle Ausgaben über 300 Franken pro Gut sechs Monate lang erfasst. Diese gezielte Ausdehnung der Beobachtungszeit erlaubt, sechsmal (bzw. zwölfmal) so viele Ereignisse zu registrieren und somit die Qualität der betroffenen Schätzwerte merklich zu steigern. Bei diesen Themenbereichen – insbesondere bei den Transportausgaben – stabilisieren sich die Resultate damit aber erst deutlich später als nach den oben erwähnten drei Monate.

Gewichtungsmethode

Wie für alle Standardauswertungen auf den Daten der HABE wird auch hier eine optimierte Gewichtungsmethode angewendet, um allfällige Verzerrungen durch unterschiedliche Antwortquoten je nach Haushaltsmerkmal zu kompensieren. Die Gewichte werden für jedes Quartal separat berechnet mit einem ähnlichen Modell wie für die Standardgewichtung der HABE. Dieses Vorgehen erlaubt, für jedes Quartal separat den Konsum und das Haushaltsbudget der privaten Haushalte in der Schweiz mit den jeweiligen Vertrauensintervallen zu schätzen.