Berechnung eines Erwerbseinkommens anhand der ZAS- und SE-Daten (LABB)

| Letzte Aktualisierung: 15.03.2021

Bild – experimental statistics

Zusammenfassung

Die Analyse des Erwerbseinkommens und dessen Entwicklung in den ersten Jahren nach einem in der Schweiz erworbenen Bildungsabschluss ist für die Beurteilung der Ausbildungsadäquanz von zentraler Bedeutung.

Die individuellen Konten der Zentralen Ausgleichsstelle (ZAS) und die Strukturerhebung (SE) des BFS liefern hierzu aufschlussreiche Informationen.

Im Methodenbericht wird beschrieben, wie die standardisierten Einkommen für ein Vollzeitpensum sowie die Stunden- und Bruttolöhne im Rahmen der Längsschnittanalysen im Bildungsbereich (LABB) berechnet werden. Zudem wird mittels einer deskriptiven Analyse anhand der Daten von 2016 erläutert, welche Unterschiede zwischen der berechneten Einkommensvariable und dem standardisierten Einkommen der Lohnstrukturerhebung (LSE) bestehen, und erklärt, wo die Interpretationsgrenzen liegen.

Vorgehen

Anhand der individuellen Konten der ZAS lässt sich ein Einkommen ermitteln, das demjenigen des monatlichen Brutto-Gesamterwerbseinkommens grundsätzlich sehr nahekommt. Die SE wiederum gibt Auskunft über die von der Person angegebene durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit aus allen Erwerbstätigkeiten.

Das «effektive» standardisierte Einkommen für ein Vollzeitpensum entspricht dem Einkommen, das die Person bei einer «üblichen» 100%-Stelle in einem bestimmten Beruf erzielen würde. Es wird auf Basis von Vollzeitreferenzen berechnet, die sich nach den Angaben der Befragten in der SE richten. Allfällige (bezahlte und unbezahlte) Überstunden, die in einem bestimmten Beruf generell geleistet werden, sind folglich ebenfalls enthalten. Konzeptuell unterscheidet sich dieses «effektive», standardisierte Einkommen somit vom LSE-Lohn, weshalb es formal nicht validiert werden kann.

Der Methodenbericht dokumentiert für alle im Rahmen von LABB analysierten Aspekte und Indikatoren, ob und inwiefern sich dieses Einkommen vom LSE-Einkommen unterscheidet. Dabei wird deutlich, welche Bedeutung dieses «effektive» standardisierte Einkommen für die Bildungsforschung hat.

Es wurden zwei sich ergänzende Ansätze untersucht:

  • Beim ersten wurden die Ergebnisse der LSE auf Basis möglichst gleicher Grundgesamtheiten mit jenen der ZAS/SE verglichen. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass die Vergleiche Aussagen zu einem Grossteil der in der Schweiz wohnhaften Arbeitnehmenden zulassen. Nachteilig ist hingegen, dass auftretende Unterschiede durch unterschiedliche Messungen zwischen den beiden Quellen bedingt sein können.
  • Der zweite Ansatz verknüpft anhand der AHVN13 die Stichprobe der ZAS/SE mit der LSE-Stichprobe. So können die Unterschiede zwischen den beiden Quellen auf Ebene der Personen untersucht werden. Für diese verknüpfte Datenbank mussten die Daten stark selektiert werden, damit die Vergleiche aussagekräftig sind. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt in den weniger ausgeprägten Messeffekten, der Nachteil, dass er einen kleineren Teil der Bevölkerung umfasst. Damit die Einkommen der reduzierten Population analysiert und direkt miteinander verglichen werden können, ist bei diesem zweiten Ansatz zudem eine Neugewichtung nötig. Der Detailbericht zur Neugewichtung ist weiter unten zu finden.

Die Vergleiche basieren auf zwei Indikatoren: Der erste misst die Verteilung der Einkommensunterschiede zwischen LSE und ZAS/SE, indem er für jede Person die beiden Einkommen einander gegenüberstellt, der zweite vergleicht aggregierte Daten.

Die Erläuterungen sollen helfen, die Ergebnisse künftiger LABB-Analysen, bei denen das berechnete ZAS/SE-Einkommen herangezogen wird, besser zu verstehen und zu verwenden.

Ergebnisse

In den unverknüpften Datenbanken übersteigt der standardisierte LSE-Lohn 2016 (6 680 Franken) das ZAS/SE-Einkommen 2016 (6 616 Franken) um 64 Franken (Medianwert). Dieser Unterschied ist allerdings nicht signifikant.

In der verknüpften Datenbank beträgt der Medianwert der Unterschiede zwischen dem «effektiven» standardisierten ZAS/SE-Einkommen und dem LSE-Lohn 150 Franken bzw. 2,2% des Medianeinkommens gemäss LSE. Hier zeigt sich, dass die Arbeitszeit in der SE insgesamt höher ist als in der LSE.

Trotz der geringen Unterschiede ist zu beachten, dass das berechnete standardisierte ZAS/SE-Einkommen und der standardisierte LSE-Lohn definitionsgemäss nicht das Gleiche messen. Während das ZAS/SE-Einkommen dem effektiven Einkommen für ein Vollzeitpensum entspricht, widerspiegelt der LSE-Lohn eher die vertraglich festgelegte Entlöhnung. Der Unterschied ist vor allem für Personen von Bedeutung, die zahlreiche bezahlte und nicht durch Freizeitausgleich oder variable Arbeitszeit kompensierte Überstunden leisten. Das auf einer «effektiven» Basis berechnete ZAS/SE-Einkommen kann für wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Analysen somit von Vorteil sein, weil es sich auf die Erwerbssituation der arbeitnehmenden Personen fokussiert.

 

Dokumentation